Klartext

Mögen Katzen geschlossene Toiletten wirklich nicht?

Es gibt Katzenregeln, die im Internet sehr schnell zu Naturgesetzen werden.

Eine davon lautet:

Katzen hassen Haubentoiletten.

Klingt plausibel.

Weniger Luft.

Gerüche bleiben drin.

Nur ein Eingang.

Der Mensch mag die Haube dagegen aus Gründen, die ebenfalls verständlich sind:

Man sieht den Inhalt weniger.

Der Streu fliegt nicht ganz so weit.

Das Wohnzimmer wirkt weniger wie eine Filiale der Abfallwirtschaft.

Also hat jemand getestet, was die Katzen dazu sagen.

Die Katzen waren erstaunlich unideologisch

In einer Studie bekamen 27 auswertbare Katzen jeweils eine große offene und eine vergleichbare geschlossene Toilette. Reinigung, Streu und andere Bedingungen wurden möglichst gleich gehalten.

Das Ergebnis:

19 von 27 Katzen – rund 70 Prozent – zeigten keine klare Präferenz.

Vier bevorzugten die offene Toilette.

Vier die geschlossene.

Als Gruppe gab es keinen signifikanten Unterschied in der Nutzung.

Die Katzen hatten offenbar keine gemeinsame Pressekonferenz abgehalten.

Was die Studie nicht beweist

Sie beweist nicht, dass jede Haubentoilette gut ist.

Die Studienboxen waren groß und wurden täglich gereinigt. Viele handelsübliche Modelle sind kleiner. Eine Haube kann außerdem Gerüche stärker im Innenraum halten, insbesondere wenn selten gereinigt wird.

Genau deshalb ist die populäre Frage „offen oder geschlossen?“ möglicherweise zu grob.

Andere Dinge können mindestens genauso wichtig sein:

  • Größe
  • Sauberkeit
  • leichter Zugang
  • Streu
  • Standort
  • die Möglichkeit, sich sicher hinein- und hinauszubewegen
  • individuelle Erfahrung und Vorliebe

Die Haube ist nur ein Teil des Systems.

Der Mensch hat ebenfalls eine Präferenz

Das wird in Empfehlungen gern vergessen.

Menschen mögen geschlossene Klos, weil Kot weniger sichtbar ist.

Das ist nachvollziehbar.

Unsichtbarer Kot ist allerdings nicht gereinigter Kot.

Wenn die Haube dazu führt, dass man seltener hineinschaut, hat die Ästhetik den Betrieb übernommen.

Die Studienautoren weisen genau auf diese mögliche Falle hin: Ein verdecktes Klo kann für Menschen angenehmer wirken, muss aber trotzdem ausreichend oft gereinigt werden.

Wenn Sie nicht wissen, was Ihre Katze bevorzugt

Dann kann man eine kleine Wahl durchführen.

Zwei möglichst ähnliche Toiletten.

Eine offen.

Eine geschlossen.

Gleiche Streu.

Beide sauber.

Standorte so wählen, dass die Lage das Ergebnis nicht völlig bestimmt.

Dann beobachten.

Die Fachliteratur nennt solche Wahlmöglichkeiten manchmal sinngemäß eine „Litter Box Cafeteria“.

Eine der wenigen Cafeterien, bei denen man den Gästen nachher den Kot wiegt.

„Katzen hassen geschlossene Toiletten“ ist zu pauschal.

Manche mögen offen.

Manche geschlossen.

Viele der untersuchten Katzen zeigten keine klare Präferenz.

Wenn eine Toilette nicht funktioniert, lohnt es sich deshalb, nicht nur die Haube anzuklagen.

Größe, Reinigung, Streu, Standort und individuelle Wahl können wichtiger sein.

Das Internet liebt Regeln.

Katzen stimmen offenbar lieber einzeln ab.

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