Kolumnen

Sie kauften einen Trinkbrunnen. Die Katze wählte den Wasserhahn

Der Trinkbrunnen hat drei Filterstufen. Die Katze wartet im Bad.

Der Trinkbrunnen hat drei Filterstufen.

Leisen Pumpenbetrieb.

LED-Anzeige.

Zwei Fließmodi.

Die Katze schaut ihn an.

Geht ins Bad.

Setzt sich vor den Wasserhahn.

Manchmal ist Produktentwicklung ein harter Beruf.

„Katzen lieben fließendes Wasser“

Dieser Satz steht erstaunlich oft auf Produktseiten.

Die Forschung ist weniger entschlossen.

In einer kleinen Studie mit Katzen im Privathaushalt führte ein Brunnen nicht zu einer überzeugenden Verbesserung der relevanten Urinparameter; die gemessene Wasseraufnahme war zwar teilweise höher, die Autoren hielten die Ergebnisse aber für nicht stark genug, um daraus einen allgemeinen Effekt abzuleiten.

Eine spätere Untersuchung mit verschiedenen Wassersystemen fand insgesamt keinen wesentlichen Unterschied in der durchschnittlichen Wasseraufnahme zwischen stillstehendem, zirkulierendem und frei fallendem Wasser. Einzelne Katzen zeigten dagegen individuelle Vorlieben – und zwar für unterschiedliche Systeme.

Das ist wissenschaftlich wenig spektakulär.

Katzen mögen verschiedene Dinge.

Produktmarketing verliert damit ungefähr 70 Prozent seiner Überschriften.

Der Brunnen kann trotzdem hervorragend sein

Eine Katze trinkt gern daraus.

Eine andere mag eine breite Keramikschale.

Eine dritte bevorzugt offenbar Sanitärtechnik.

Der sinnvolle Ansatz ist deshalb nicht, die Katze zur richtigen Trinkphilosophie zu überreden, sondern mehrere gute Möglichkeiten anzubieten und zu beobachten.

Wasser an verschiedenen Stellen.

Saubere Gefäße.

Ausreichender Abstand zu Toilette und – je nach Katze – zum Futter.

Vielleicht ein Brunnen.

Vielleicht nicht.

Der beste Wasserplatz ist am Ende der, den die Katze tatsächlich benutzt.

Warum Menschen trotzdem gern upgraden

Katze trinkt nicht aus Brunnen A.

Der Mensch kauft Brunnen B.

Brunnen B hat Edelstahl.

Katze trinkt weiter aus dem Wasserhahn.

Brunnen C hat App.

Spätestens jetzt ist die Trinkversorgung digitalisiert.

Die Katze wartet im Bad.

Man könnte an diesem Punkt prüfen, ob eine einfache zusätzliche Schale an einem anderen Ort mehr bringt.

Das kostet allerdings 4,99 Euro und fühlt sich nicht wie Innovation an.

Ein wichtiger medizinischer Unterschied

Wenn eine Katze plötzlich deutlich mehr oder deutlich weniger trinkt als sonst, ist die Frage nicht mehr primär, ob der Brunnen attraktiv genug ist. Deutliche Veränderungen des Trinkverhaltens können medizinisch relevant sein und gehören – besonders zusammen mit anderen Veränderungen – tierärztlich abgeklärt.

Ein Wasserbrunnen ist ein Trinkgefäß.

Kein Diagnosesystem.

Katzen müssen ausreichend Wasser aufnehmen.

Sie müssen dafür keinen Springbrunnen bewundern.

Ein Brunnen kann für die richtige Katze eine gute Lösung sein. Die aktuelle Evidenz unterstützt aber nicht die einfache Regel, dass bewegtes Wasser für Katzen generell überlegen ist.

Bieten Sie Auswahl.

Beobachten Sie.

Reinigen Sie die Gefäße.

Und wenn die Katze trotz 79-Euro-Trinkbrunnen den Wasserhahn bevorzugt, hat sie immerhin bewiesen, dass Geschmack unabhängig vom Kaufpreis funktioniert.

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