Kolumnen

Umzugstag: Der Mensch zieht um, die Katze ruft den Ausnahmezustand aus

7:40 Uhr.

Kartons überall.

Der Tisch hat keine Beine mehr.

Das Sofa steht an einer Stelle, an der Sofas normalerweise nicht stehen.

Die Katze beobachtet.

An gewöhnlichen Tagen ist ein einzelner Karton ein Freizeitpark.

Heute besteht praktisch die ganze Wohnung aus Kartons.

Die Katze sitzt unter dem Bett.

8:05 Uhr – fremde Menschen betreten das Territorium

Drei Umzugshelfer kommen herein.

Die Wohnungstür öffnet sich.

Schließt sich.

Öffnet sich wieder.

Möbel verschwinden.

Menschen tragen Schränke durch Türöffnungen, durch die sonst höchstens der Staubsauger fährt.

Der Mensch sagt zur Katze:

„Keine Sorge. Die neue Wohnung ist größer.“

Die Katze besitzt noch keine Vorstellung vom Quadratmeterpreis.

Aktuell löst sich ihre Welt auf.

Die beste Rolle am Umzugstag ist: nicht beteiligt sein

TASSO empfiehlt, die Katze wenn möglich bei einer vertrauten Person unterzubringen, bis der Umzugstrubel vorbei ist.

Geht das nicht, sollte sie mit Wasser, Futter, Toilette und Rückzugsmöglichkeit in einem separaten, sicher geschlossenen Raum bleiben, den Helfer nicht versehentlich öffnen. Dieser Raum wird zuletzt geräumt.

Es ist sinnvoll, außen deutlich zu markieren:

TÜR NICHT ÖFFNEN – KATZE.

Menschen lesen Schilder besser als Katzen Umzugspläne.

9:20 Uhr – die Haustür ist das wichtigste Möbelstück

Bei einem Umzug steht sie ständig offen.

Das macht eine gestresste Katze plus offene Ausgangstür zu einer schlechten Kombination.

Auch eine Katze, die normalerweise nie raus möchte, könnte an diesem Tag andere Entscheidungen treffen.

Deshalb ist „sie bleibt schon irgendwo im Wohnzimmer“ kein Sicherheitskonzept.

Es ist eine Hoffnung mit Helfern in Arbeitsschuhen.

12:40 Uhr – Transportbox

Jetzt muss die Katze ins Auto.

Wer die Transportbox schon Wochen vorher als normalen Gegenstand etabliert hat, besitzt einen Vorteil.

Wer sie heute Morgen zum ersten Mal aus dem Keller geholt hat, führt gerade ein sehr intensives Einführungsseminar durch.

TASSO empfiehlt ausdrücklich, die Box vor dem Umzug zu trainieren.

„Vorher“ ist in diesem Satz das entscheidende Wort.

14:15 Uhr – neues Zuhause

Für den Menschen:

Mehr Licht.

Schöner Schnitt.

Balkon.

Für die Katze:

Kein Geruch stimmt.

TASSO empfiehlt deshalb auch im neuen Zuhause zunächst ein separates, ruhiges Zimmer mit vertrauten Gegenständen und den wichtigsten Ressourcen. Erst danach wird die Welt schrittweise größer.

Die Katze muss nicht am ersten Nachmittag eine komplette Wohnungsführung bekommen.

Der Mietvertrag läuft länger.

Und Freigänger?

Die bleiben zunächst drinnen.

TASSO empfiehlt in der Regel mindestens einen Monat, damit das neue Zuhause als eigenes Territorium etabliert werden kann. Vor dem ersten Freigang muss außerdem geprüft werden, wie sicher die neue Umgebung tatsächlich ist.

Die Katze war vielleicht am alten Wohnort sehr straßenerfahren.

Am neuen Ort ist sie trotzdem neu.

Auch ein guter Fahrer braucht in einer fremden Stadt Navigation.

Die Katze bekommt keine.

Menschen ziehen ihre Sachen an einem Tag um.

Katzen ziehen ihr Territorium nicht so schnell um.

Am Umzugstag hilft deshalb keine große Begrüßung, sondern etwas viel Langweiligeres:

Ruhe.

Eine geschlossene Tür.

Bekannte Gerüche.

Sichere Transportbox.

Ein kleiner Anfang im neuen Zuhause.

Der Möbelwagen kann die Katze transportieren.

Ankommen muss sie selbst.

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